Psytrance wiederholt denselben Groove oft minutenlang. Automation sorgt dafür, dass diese Wiederholung nicht abgestanden wirkt: Parameter, die sich langsam oder plötzlich bewegen, sodass ein Sound nie lange genau gleich bleibt. Das solltest du automatisieren, und so geht es.
Was du automatisieren kannst
- Filter-Cutoff und Resonanz. Der Klassiker. Öffne einen Tiefpassfilter auf einem Lead oder Pad über 16 Takte eines Build-ups oder schließ ihn im Breakdown. Wenn du gleichzeitig die Resonanz erhöhst, wird der Sweep hörbarer.
- Lautstärke. Lass Pads in einen neuen Abschnitt hinein anschwellen oder blend Schichten ein und aus, damit das Arrangement atmet.
- Panning und Stereobreite. Beweg einen Sound während eines Builds von links nach rechts oder mach ein Pad allmählich breiter. Kick und Bass bleiben in der Mitte.
- Effekt-Sends und -Parameter. Delay-Feedback, Reverb-Send, Distortion-Anteil und Dry/Wet-Mix. Mehr Delay-Feedback im Breakdown füllt den Raum, wenn du es für den Drop zurücknimmst, wird alles wieder klar.
- Modulationstiefe und Detune. Kleine Änderungen daran, wie stark ein LFO einen Parameter bewegt, verändern den Charakter eines Sounds, ohne die Noten zu ändern.
Tools
Jede DAW, die im Psytrance verwendet wird, etwa Ableton Live, FL Studio oder Logic Pro, hat Automationsspuren, in die du Veränderungen über die Zeit einzeichnest. Lern, in deiner DAW Kurven zu zeichnen und nicht nur gerade Linien: Ein langsamer, gekrümmter Anstieg auf einem Reverb-Send klingt natürlicher als eine lineare Rampe, und ein scharfer Abfall kann einen Sound mit echter Wucht abschneiden.
Synth-Plugins wie Serum, Massive oder Sylenth1 bringen ihre eigene Modulation mit: LFOs und Hüllkurven, die Parameter ständig bewegen. Kombinier beides. Lass einen LFO den Cutoff wabern und automatisier die LFO-Stärke, sodass die Bewegung selbst über einen Abschnitt wächst.
Mit einem MIDI-Controller mit Reglern und Fadern kannst du Automation von Hand aufnehmen. An einem echten Knopf zu drehen, während der Loop läuft, ergibt oft musikalischere Bewegungen als mit der Maus zu zeichnen. Die aufgenommene Kurve kannst du danach noch aufräumen.
Automation als Rhythmus-Werkzeug
Automation muss nicht langsam sein. Kurze Lautstärke- oder Gate-Bewegungen, die ans Tempo gekoppelt sind, machen aus einem gehaltenen Pad einen rhythmischen Puls. Form sie so, dass sie der Kick oder der Bassline folgen, damit sie in den Groove einrasten, statt gegen ihn zu arbeiten. Sidechain-Kompression, ausgelöst durch die Kick, macht etwas Ähnliches. Wenn du ihre Stärke automatisierst, kann das Pumpen zum Drop hin wachsen und danach wieder nachlassen.
Auch Field Recordings und ungewöhnliche Samples werden durch Automation lebendig. Ein Pitch-Glide oder ein sich langsam verändernder Filter auf einem aufgenommenen Sound kann daraus eine Textur machen, die zwischen den Synths sitzt.
Automation im Live-Set
Wenn du live spielst, teil die Arbeit auf. Programmier die Bewegungen, die an festen Stellen passieren müssen, etwa einen Filter-Cut vor einem Drop, damit sie von allein laufen. Leg die Parameter, die du nach Gefühl spielen willst, also einen Filter, einen Reverb-Send oder ein Delay-Feedback, auf Regler und Fader eines Controllers. So bleibt deine Aufmerksamkeit frei für die Crowd.
Üb diese Bewegungen als Teil des Sets, nicht nur die Reihenfolge der Tracks. Nimm deine Proben auf und hör sie dir an: Ein Sweep, der sich beim Spielen riesig anfühlt, kann von außen zu lang oder zu kurz klingen.
Bleib zielgerichtet
Automation soll den Bogen des Tracks unterstützen: Spannung im Build-up, Auflösung im Drop, Raum im Breakdown. Bevor du noch eine Spur hinzufügst, frag dich, was sie für diesen Moment tut. Hör dir den ganzen Track von Anfang bis Ende an und prüf, ob jede Bewegung den Fluss unterstützt, statt von ihm abzulenken.