Die einflussreichsten Psytrance-Artists, Ära für Ära
Von den Goa-Pionieren über Full-On und Progressive bis Dark Psy und Psybient: 20 Psytrance-Artists, die den Sound geprägt haben, und welche Releases du zuerst hören solltest.
Goa ist das melodische Original aus den 1990ern, Psytrance der schnellere, basslastige Sound, der daraus entstand, und Trance ein eigenes Genre aus Frankfurt. So unterscheidest du die drei.
Goa (Goa-Trance) ist das Original: melodisch, warm, getragen von langen Synth-Linien, entstanden Anfang der 1990er auf den Strandpartys in Goa, Indien. Psytrance (Psychedelic Trance) ist in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts daraus gewachsen und hat den Fokus von der Melodie auf eine treibende, rollende Bassline und detailreiches digitales Sounddesign verschoben. Gleiche Familie, anderer Sound.
Trance ist ein eigenes Genre. Er kommt aus der Frankfurter Techno-Szene, lebt von großen Akkordfolgen, langen Breaks und oft Gesang und läuft vor allem in Clubs und Hallen. Psytrance ist schneller, dunkler, hypnotischer und auf Open-Air-Festivals zu Hause. Hier gehen wir alle drei durch, mit Vergleichstabelle und den Festivals, auf denen du noch echten Goa hörst.
Goa war ab Ende der 1960er ein Treffpunkt für Reisende. In den 1970ern spielten die DJs dort vor allem psychedelischen Rock. Anfang der 1980er brachten DJs wie Laurent, Fred Disko und Goa Gil elektronische Musik aus Europa auf die Partys, und Anfang der 1990er war daraus ein eigener Sound geworden: Goa-Trance.
Ein Goa-Track läuft meist mit 130 bis 150 BPM und dauert acht bis zwölf Minuten. Er baut sich langsam zu einem Höhepunkt auf, legt mehrere Melodielinien übereinander und nutzt diesen schmatzenden, resonanten Synth-Sound, der auf die Roland TB-303 zurückgeht. Samples aus Science-Fiction-Filmen und indische Instrumente sind typisch, die Stimmung eher euphorisch als finster. Ab 1993 verbreiteten sich die Partys nach London und weiter, die Jahre 1994 bis 1997 gelten als goldene Zeit der ersten Welle.
Wenn jemand fragt "Was ist Goa?", ist meist genau das gemeint: der melodische, leicht spacige Sound der 1990er, dazu neue Produktionen in diesem Stil, oft New School Goa genannt.
Ende der 1990er wurden Goa und Psytrance fast als Synonyme benutzt. Dann wanderte die Produktion in den Computer, und der Sound änderte sich. Die Melodien wurden kürzer, der Bass straffer, und der Track wurde von der Rhythmusgruppe getragen: eine Kick auf jedem Schlag und eine Bassline, die die Lücken dazwischen füllt. Dieser rollende Bass prägt Psytrance bis heute.
Psytrance hat sich außerdem in viele Stile aufgeteilt. Progressive Psytrance liegt bei etwa 130 bis 138 BPM und ist groovig und reduziert. Full-On läuft mit rund 140 bis 148 BPM, mit klaren Leads und viel Energie. Darkpsy, Forest und Hi-Tech gehen bis 150 BPM und weit darüber. Unser Artikel zu den Psytrance-Subgenres erklärt sie einzeln.
Melodie oder Bass. Beim Goa stehen die Melodien im Mittelpunkt. Beim Psytrance tragen Bassline und Groove den Track, Melodien sind kurze Hooks oder fallen ganz weg.
Sound. Goa klingt warm, analog und etwas roh, das kommt von der Hardware der damaligen Zeit. Psytrance klingt sauberer, digitaler und detailreicher, mit viel Effekten und Sounddesign.
Stimmung. Goa ist meist euphorisch und spacig. Psytrance reicht von sonnigem Progressive bis zu pechschwarzem Darkpsy mit 170 BPM.
Vielfalt. Goa ist nah an seinen Wurzeln geblieben. Psytrance ist zu einer ganzen Familie von Subgenres mit eigenen Szenen und Festivals geworden.
Die Szene teilen sich beide. UV-Deko, Open-Air-Floors und mehrtägige Gatherings stammen aus Goa, und Psytrance-Festivals feiern bis heute so. Viele DJs spielen beides, und auf vielen Festivals hörst du Goa-Klassiker neben aktuellem Psytrance.
Hier kommen die meisten durcheinander, weil beide "Trance" im Namen tragen. Trance entstand Ende der 1980er und Anfang der 1990er aus der Techno- und EBM-Szene in Frankfurt, mit Labels wie Eye Q und Harthouse. Weltweit groß wurde er durch DJs wie Paul van Dyk, Armin van Buuren, Tiësto und Above & Beyond.
Uplifting Trance läuft meist mit etwa 135 bis 140 BPM. Er baut auf langen, emotionalen Akkordfolgen auf, oft in Dur, mit Streicher- und Synth-Flächen, ausgedehnten Breaks ohne Drums und einem großen Aufbau bis zum Drop. Vocal Trance legt Pop-Gesang obendrauf. Progressive Trance ist runder und entwickelt sich langsamer. Achtung: Progressive Trance und Progressive Psytrance sind zwei verschiedene Dinge, auch wenn das Tempo manchmal ähnlich ist.
Psytrance funktioniert andersherum. Große Akkordfolgen sind selten, unter dem ganzen Track läuft ein konstanter rollender Bass, und alle acht Takte ändert sich etwas, damit du drinbleibst. Es geht um einen langen hypnotischen Flow ohne den einen großen emotionalen Höhepunkt. Psytrance ist meist schneller, hat weniger Gesang (eher gesprochene Samples) und klingt psychedelischer und fremdartiger.
Auch der Rahmen ist ein anderer. Trance ist vor allem ein Club- und Hallen-Sound, mit Events wie A State of Trance, das 2024 in die Ahoy nach Rotterdam umgezogen ist, oder Dreamstate in Südkalifornien. Psytrance lebt auf mehrtägigen Open-Air-Festivals im Wald, am See und am Strand.
| Goa | Psytrance | Trance (Uplifting/Progressive) | |
|---|---|---|---|
| Herkunft | Goa, Indien, Anfang der 1990er | Aus Goa entstanden, Ende der 1990er | Frankfurt, Ende der 1980er bis Anfang der 1990er |
| Tempo | Etwa 130–150 BPM | Etwa 130–150 BPM, dunkle Stile schneller | Etwa 135–140 BPM bei Uplifting |
| Sound | Lange, geschichtete Melodien, warm und analog, spacig | Rollender Bass, straffer Groove, detailreiches Sounddesign, kurze Hooks | Große Akkordfolgen, lange Breaks, Streicher, oft Gesang |
| Typische Festivals | ZNA Gathering, HillTop Festival, VooV | Ozora, Boom, Universo Paralello | A State of Trance, Dreamstate |
Goa war nie weg. Einige Festivals stellen ihn in den Mittelpunkt, viele andere geben ihm eine Bühne oder einen festen Slot. Alle Festivals mit Goa findest du auf unserer Goa-Festival-Seite.
Auch beim Boom in Portugal, beim Own Spirit in Spanien und beim Flor da Vida in Brasilien gehört Goa zum Programm. Den großen Überblick gibt unsere Liste der Goa- und Psytrance-Festivals weltweit, die Hintergründe unser Artikel zur Geschichte des Psytrance.
Nein. Goa ist das melodische Original aus den frühen 1990ern. Psytrance ist Ende der 1990er daraus entstanden und stellt die rollende Bassline und das Sounddesign nach vorne. Geschichte, Szene und Tempobereich teilen sich beide.
Trance kommt aus Frankfurt und lebt von emotionalen Akkordfolgen, Breaks und oft Gesang. Psytrance kommt aus der Goa-Szene und lebt von einem konstanten rollenden Bass und hypnotischem, psychedelischem Sounddesign. Trance läuft vor allem in Clubs und Hallen, Psytrance auf Festivals.
Meistens ja. Uplifting Trance liegt bei etwa 135 bis 140 BPM. Full-On läuft mit rund 140 bis 148 BPM, dunklere Stile mit über 150. Progressive Psytrance kann mit etwa 130 bis 138 BPM auch langsamer sein als Trance.
Mit Goa-Musik ist meist Goa-Trance gemeint: der melodische, spacige elektronische Sound von den Strandpartys in Goa, Indien, Anfang der 1990er. Neue Produktionen in diesem Stil laufen oft unter dem Namen New School Goa.
Zum Beispiel beim ZNA Gathering in Portugal, beim HillTop Festival in Goa sowie bei VooV und Indian Spirit in Deutschland. Auf unserer Goa-Genre-Seite stehen alle Festivals aus unserem Guide, auf denen Goa läuft.